• What is left?

    Ausstellung im frei_raum Q21 exhibition space

    Eröffnung: Do 22.09., 19h
    Kuratorenführung im Rahmen der ORF Langen Nacht der Museen: Sa 01.10., 20h
    Kuratorenführung im Rahmen der VIENNA ART WEEK 2016: Mi 16.11., 19h
    Ort: frei_raum Q21 exhibition space
    Eintritt frei

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    Fotos der Eröffnung
    Video-Interview mit Kurator Walter Seidl

    Wie sieht der Status Quo in Zeiten globaler ökonomischer, gesellschaftlicher und militärischer Krisen aus  – und welche Lebensmöglichkeiten gibt es noch? Die Ausstellung, kuratiert von Gülsen Bal und Walter Seidl, untersucht alternative Modelle zu aktuellen Lebensbedingungen sowie zu vorherrschenden politischen und finanziellen Systemen.

    In der Ausstellung wird die Konstruktion von Raum als Ort der Intervention und Unterbrechung hinterfragt, um die rasanten Veränderungsprozesse anhand verschiedener historischer Wendepunkte zu enthüllen. Künstlerische Interventionen sind oftmals das Resultat interner Machtkämpfe, um die Möglichkeit zur Selbstartikulation und Selbstermächtigung durchzusetzen.

    Die Arbeiten in der Ausstellung untersuchen, wie sich Individuen in einem System, in dem viele Lebensbereiche vordefiniert sind, Alternativen schaffen und sich gegen das vorherrschende Denken und Handeln richten. Welchen Platz nehmen alternative Lebenspraxen ein, die sich in einem marginalen sozialen Feld bewegen und in der Öffentlichkeit oftmals keinen Artikulationsraum finden? „What is left?“ geht der Frage nach, wie kultureller Vielfalt künstlerisch Geltung verschafft werden kann, um einseitigen Formen eines post-globalen Denkens entgegenzuwirken. Was blieb aus den Utopien der vergangenen Jahrzehnte sowie einer „linken Bewegung“ und wie zwingen uns aktuelle politische Entwicklungen zu einem Umdenken hinsichtlich der Erwartungen an eine mögliche Zukunft?  

    Die eingeladenen KünstlerInnen greifen jene Nischen bzw. Zwischenstufen der Existenz in unterschiedlicher Weise auf und liefern kritische, reflexive wie auch ironische Beiträge als Gegenmodelle zu normierten Lebensmustern. Das Hauptaugenmerk gilt hierbei den veränderten Wahrnehmungsmodellen von Raum in öffentlicher/historischer, sozialer und politischer Hinsicht.

    Halil Altındere setzt sich mit dem aktuellen Konflikt in Syrien auseinander und definiert die Problematik der Flüchtenden in seinem, an der Außenfassade des MQ angebrachten Billboard „Köfte Airlines“. Dieses ironisiert die EU-Politik und ihre Einschränkungen hinsichtlich der seit geraumer Zeit eingesetzten Migrationsbewegungen.

    Sabine Bitter und Helmut Webers Installation „Making Ruins“ thematisiert das Erbe des japanischen Architekten Kenzō Tange und seines Plans eines Wiederaufbaus von Skopje nach dem Erdbeben von 1963. Die nur teilweise realisierten architektonischen Maßnahmen hinterlassen gegenwärtig Spuren, die die mazedonische Regierung beseitigt haben möchte und die Geschichte als Kontinuität der Brüche begreift, deren Überreste stets Fragen zur politischen Konstituiertheit von Nationen aufwerfen.  

    Jan De Cocks Serie der „Memorial Drawings“ verweist auf die prekäre Situation vieler KünstlerInnen, die konstant mit dem Verlust ihres Hab und Guts sowie in ihrem heroischen Streben nach einer Avantgarde mit einer unbestimmten Zukunft konfrontiert sind. In einer mehrsprachigen Serie an Collagen bezieht sich der Künstler ebenso auf Marcel Broodthaers’ konstante Hinterfragung des Kunstmarktes, der Rolle des Museums sowie von Kunst an sich.
     
    Die Installation „red carpet“ von Petra Gerschner* stellt mit einem 12 Meter langen roten Teppich, der die leuchtende Aufschrift „join the winning side – smash capitalism“ trägt, die Behauptung der Dringlichkeit und Potenzialität einer anderen Gesellschaftlichkeit in den Raum und widerspricht radikal den bestehenden Herrschafts- und Exklusionsverhältnissen. Durch die Aneignung und Kollektivierung des „red carpets“ wird die Dichotomie von AkteurInnen und ZuschauerInnen gebrochen. Auf der „Celebrity-Wall“ erscheinen in einem Videoloop Polizisten, die nachts bei einer skurrilen Suchaktion desorientiert die Hinterlassenschaften einer vorangegangenen Rebellion durchwühlen.

    Mona Hatoums Video „Measures of Distance“ fokussiert auf Briefe zwischen der Künstlerin und ihrer Mutter, bei denen die arabische Schrift im Vordergrund der Bildebene steht. Die Arbeit ist eine der wenigen im Werk der Künstlerin, die direkt auf ihre Exilsituation als in Beirut geborene Palästinenserin eingeht und psychosoziale Momente aufgreift.
     
    Şener Özmen* zeigt im Rahmen der Installation „An Overcast Day / Koh Samui“ eine Aufnahme aus seinem ersehnten Urlaub auf der thailändischen Insel Ko Samui, auf die er aufgrund der Angriffe auf die kurdische Stadt Diyarbakır im Februar 2016 flüchtete. Die Installation verhandelt jenes Moment der Krise, das die jahrelangen Angriffe auf die kurdische Bevölkerung der Türkei und speziell auf die Städte Diyarbakır, Cizre und Şırnak thematisiert.

    In seiner Mehrkanal-Videoinstallation „RobOman - Empire of Silent Culture“ reflektiert Khaled Ramadan die Diskrepanz zwischen Traum und Wirklichkeit innerhalb der kulturellen Landschaft des Omans. Die Arbeit befasst sich mit dem fortwährenden Defizit von Kunst und Kultur und den gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen in Hinblick auf die arabische Welt seit Beginn des postkolonialen Zeitalters, in dem die meisten politischen und kulturellen Aktivitäten einer staatlichen Kontrolle unterliegen.

    Dimitar Solakov* setzt sich in „New Life for the Past“ mit verfallenen historischen Bauwerken in Bulgarien auseinander, die mit Millionen von EU Geldern renoviert wurden, sich jedoch weiterhin in einem unterrestaurierten oder dilettantischen Zustand befinden. Der Künstler stellt die Frage wie historische Denkmäler in die Gegenwart überliefert werden und wie Geschichte verfälscht bzw. nur unzulänglich tradiert wird. In der Ausstellung demonstriert er dies anhand der antiken Siedlung Novae und der Stadt Sozopol mit einer Serie an Fotografien und Zeichnungen, die auf die fossilen Funde rekurrieren und Geschichte bewusst einem subjektiven Empfinden unterwerfen.
     
    Nasan Tur thematisiert politische Ideologien und Symbole der Macht. In der sechs Meter, von der Decke herabhängenden Flaggeninstallation „Once upon a time“ zeigt er acht Flaggen von Ländern, die nicht mehr existieren. Er verweist hiermit auf die ständige Veränderung von Landkarten und den Wechsel von politischen Identitäten, die die Frage nach dem Danach aufgreifen.

    KünstlerInnen:
    Halil Altındere (TR), Sabine Bitter & Helmut Weber (A/CAN), Jan De Cock (B), Petra Gerschner* (D), Mona Hatoum (PS/GB), Khaled Ramadan* (LB), Şener Özmen* (TR), Dimitar Solakov* (BG), Nasan Tur (D/TR)
    *Artist-in-Residence des Q21/MQ

    KuratorInnen: Gülsen Bal (GB/TR) und Walter Seidl (AT)

    „What is left?“ wird in Kooperation mit dem Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres organisiert.

    Bild: Köfte Airlines (2016), Produktion: Halil Altındere
    Koproduktion: HAU Hebbel am Ufer und PILOT Gallery, Istanbul
    Mit Dank an den Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.)
    Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes im Rahmen von "Die Ästhetik des Widerstands – Peter Weiss 100", ein Festival des HAU Hebbel am Ufer, Berlin
    Courtesy of the artist and PILOT Gallery, Istanbul

    #freiraumQ21
    #WhatIsLeft

    23.09. bis 20.11., Di-So 13-16h, 16.30-20h
    frei_raum Q21 exhibition space
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